Vom Klassenzimmer in den Gerichtssaal
Der Deutsch-LK bekam am 09.12.2025 die Möglichkeit, das Landgericht Gießen zu besuchen. Zuvor hatte sich der Kurs mit der Lektüre „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist ausführlich im Unterricht auseinandergesetzt. Das Lustspiel handelt von einer Gerichtsverhandlung im Dorf Huisum. Dorfrichter Adam soll klären, wer den Krug der Bäuerin Marthe Rull zerbrochen hat. Angeklagt ist Ruprecht, der Verlobte von Eves Tochter. Im Verlauf der Verhandlung zeigt sich jedoch immer deutlicher, dass Adam selbst der Täter ist: Er hatte nachts Eve bedrängt, wurde überrascht und floh dabei, wobei er den Krug zerbrach. Am Ende wird Adams Schuld aufgedeckt und er flieht.

Um diesen literarischen Fall aus einer juristischen Perspektive zu untersuchen, setzten sich die Schülerinnen und Schüler aus dem Deutsch-LK intensiv mit Gesetzestexten auseinander und formulierten konkrete Anklagepunkte zu den Figuren aus Kleists Lustspiel. Durch das wachsende Interesse an der Gegenüberstellung von Literatur und Rechtswissenschaft konnte der Deutsch-LK das Landgericht Gießen besuchen, um sich dort mit Richter Sebastian Fennel über die erzielten Arbeitsergebnisse aus dem Deutschunterricht auszutauschen. Eine Schülerin berichtet: „Ich finde es sehr interessant und spannend, dass die Rechtswissenschaft einen noch mal ganz anderen Blick auf diesen literarischen Fall wirft. Es ist deutlich geworden, dass einige unserer Anklagepunkte zu den Figuren juristisch schwer einzuordnen sind und man zwischen sachlichem Gehalt und Interpretation differenzierter unterscheiden muss.“
Nach dem Austausch der Schülerinnen und Schülern mit Herrn Richter Fennel durfte der Deutsch-LK zusätzlich an zwei Gerichtsverhandlungen teilnehmen.
Insgesamt war es ein ereignisreicher Tag mit Einblicken in die Richtertätigkeit und einer Sammlung neuer Erfahrungen. „Wir danken Herrn Fennel und Herrn Schmidt dafür, dass ein literarischer Klassiker für uns lebendig und zeitgemäß wurde.“



