Das ganze Leben ist ein Fake? So lautet zumindest eine weit verbreitete Haltung zu Social Media-Accounts und den Aktivitäten junger Menschen dort.
Marlene Gast hat im Rahmen des fünften Schreibwettbewerbs der Clemens-Brentano-Europaschule Lollar/Allendorf in Kooperation mit der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung e.V. eine Kurzgeschichte mit diesem Titel verfasst und ihre Figuren darin fragen lassen, wie weit wir eigentlich zu gehen bereit sind für Klicks und Follower.
Dieser und weitere prämierte Texte der Schülerinnen und Schüler wurden am Sonntag, den 21.06.26, während des voll besetzten Sonntagscafés im Wohnzimmer des ImPuls-Vereins e.V. in Daubringen vorgestellt. Musikalisch begleitet wurde die Lesung von Sofie Holstein, die passend zu den Texten Songs ausgewählt hatte, die sich mit der digitalen Welt beschäftigen.
Viele Familien, Freunde, aber auch Interessierte aus der Umgebung waren gekommen, um zu hören, was die Schülerinnen und Schüler nach der Begrüßung durch Anne van Deest zum Leben mit Social Media zu sagen haben, und waren beeindruckt von der Qualität der Texte und der ausgeprägten Vorlesekompetenz der Jugendlichen. Dass es für die meisten eine Bühnenpremiere war, war den jungen Autorinnen und Autoren nicht anzumerken.
Insgesamt sieben Schülerinnen und Schüler hatten es sich am Sonntag unter der Leitung von Lehrerin Wiebke Meuser nicht nehmen lassen, trotz sehr hoher Temperaturen ihre Texte der Öffentlichkeit vorzustellen. Darunter auch die beiden Erstplatzierten des Wettbewerbs: Vinzent Herbert (Platz 1 der Jahrgangsstufen 5 bis 8) stellte seinen Text „Beste Online-Freunde“ vor, der thematisiert, wie einsam man sich trotz digitaler Verabredungen mit langjährigen Freunden fühlen kann. Ilyas Coban (Platz 1 der Jahrgangsstufen 9 bis 12) hingegen fragte in seinem Text „Zwischen zwei Welten“, wie man es schaffen kann, sich zwischen Klicks und Likes nicht selbst zu verlieren.
Erstaunlich ist das einhellige Fazit der jungen Autorinnen und Autoren in ihren Texten: Social Media ja, aber bitte nur in Maßen!
Luna Puhl lässt ihre Hauptfigur nach einem schulisch verordneten „Handyentzug“ freiwillig eine Zeitbeschränkung bei den erstaunten Eltern einfordern. Lara Aslans Protagonistin wiederum löscht alle Social Media-Apps, nachdem diese ihre Erinnerungen selbstständig optimiert und sie selbst unglaubwürdig gemacht haben.
Younis Bouzaiene geht noch einen Schritt weiter und lässt gar die Götter im Olymp derart süchtig nach den Verlockungen des Smartphones werden, dass sie am Ende einen Zerfall ihrer Freundschaften gerade noch verhindern können.
Und Ilyas Coban erinnert die Zuhörenden: „Es gibt eine Welt auf dem Display. Und eine Welt dahinter. Und passt man nicht auf, verpasst man die, die eigentlich zählt.“
Im einzigen lyrischen Text fragt Klara Rosenbaum zum Abschluss das Publikum, wo eigentlich wahre Schönheit liege und schildert eindrucksvoll den permanenten Vergleich zwischen dem eigenen realen Aussehen und den bearbeiteten Fotos und Videos bei Social Media. Sie konstatiert, dass wahre Schönheit von Menschlichkeit erzähle, davon, dass Veränderung das einzig Konstante auf der Welt sei und von der Kraft, die im Weitergehen liege, auch wenn die Welt und man selbst sich verändere.
Der Nachmittag klang schließlich in vielen persönlichen Gesprächen aus. Dass zahlreiche Gäste auch nach dem Ende der Lesung noch blieben, um mit den Jugendlichen über ihre Texte und ihre Gedanken zur digitalen Welt ins Gespräch zu kommen, zeigt deutlich, wie Literatur generationenübergreifend verbinden und Türen öffnen kann.













